Wir müssen reden

„So“, sage ich und schaue ihm tief in die Augen: „Lieber Virus, wir müssen reden.“
„Liebes“, sagt er und ich frage: „Was?“
„Es heißt das Virus, nicht der.“
Ich antworte, dass er, pardon, es ein Besserwisser sei. Aber was erwartet man auch von einem Virus mit Namen Corona? Klarer Fall von Selbstüberhöhung.
„Jedenfalls“, setze ich ein zweites Mal an. „Es reicht. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass es dich gibt. Auch, dass du trotz deiner mickrigen Größe sehr mächtig bist. Wir zollen dir sogar auf eine verquere Art Respekt, weil auch du ein Beispiel bist, wie ausgeklügelt das Universum funktioniert. (Unsere Sympathie gilt trotzdem eher den plüschigen Küken, die jetzt überall herumschwimmen.) Was ich sagen will, ist: Du kannst jetzt aufhören. Du hast es allen gezeigt. Du bist in der Lage, sogar die Bundesliga zu stoppen. Wir haben alle Fenster geputzt und sämtliche Gartenmöbel poliert. So unhöflich es klingen mag: Bitte verzieh dich.“
„Nö“, sagt das Virus. Und dann fängt es an, von Selbstverwirklichung zu reden und von seiner ureigensten Bestimmung, und wie ihn diese anthropozentrische Sichtweise ankotze, man müsse die Sache auch mal aus seiner Sicht betrachten…
Ich höre irgendwann nicht mehr zu und denke: Reden ist doch nicht immer die Lösung.

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  • Schweigen

    Schweigen tut gut, nährt die Seele.
    Ich lese gerne diesen Blog.
    Ich schreibe gerne einen Kommentar.
    Es hat lange gedauert, bis ich schweigen lernte in der direkten Kommunikation. Es fällt mir immer noch schwer. Viel zu oft noch falle ich meinem Gegenüber ins Wort.
    Ich war Lehrerin von Beruf. Ich (be) lehre gern.
    Und ich (be)werte gerne, habe ich lange berufsmäßig getan.
    Hier beim Blog stört mich die Bewertung sehr!!!
    Ich habe so lange mich bemüht mir abzugewöhnen alles zu bewerten.
    Ich lese den Blog, weil ich Texte von Susanne Niemeyer gut/sehr gut/bereichernd finde.
    Aber manchmal spricht mich ein Text nicht so an.
    Soll ich den dann schlecht bewerten?
    Ich bemühe mich um Altersweisheit.
    Ich weiß nicht alles.
    Was ich mag, ist manchmal von meiner Tages-Stimmung abhängig.
    Bitte entfernt die Bewertungs-Zeile.
    Zu Corona:
    Ja, es kostet Kraft so lange in der Ausnahme-Situation zu leben. Ich bin sehr viel ganz allein, schweige.
    Und dennoch, es gibt so viel Schlimmeres.
    Also ich richte ich meine Augen auf Dinge, die mir gut tun:
    Bücher, Blumen, Bilder, Backen, Basteln ...