Ich, ich, ich

Ich bin genervt. Von der Aggressivität und Selbstverliebtheit derer, die gegen die Corona-Einschränkungen demonstrieren. Natürlich ist es ihr Recht. Aber ist es angemessen? Sehen sie den Ernst der Lage nicht? Ja, es geht um Freiheit. Seit langem mal wieder so richtig. Aber es gibt nicht nur die Freiheit eines jeden Einzelnen – die meisten genießen diese, ohne je einen Finger für sie krumm gemacht zu haben – es gibt auch die Freiheit einer Gemeinschaft, eines Kollektivs. Immer wenn ich an Freiheit denke, denke ich an früher. Ich bin in der ehemaligen DDR groß geworden. Als ich dreizehn war, ist uns beim Schüleraustausch in Bayern aufgefallen, dass wir DDR-Kinder nicht gut ich sagen konnten, wir haben immer alles kollektiviert, ver-wir-t sozusagen, das mit dem ich mussten wir erst üben. (Nein, das ist kein Lob des DDR-Sozialismus, das ist eine wärmende Erinnerung an das Zusammengehörigkeitsgefühl in meiner Kindheit.) Und im Jahr davor, 1989, hieß es auf den Straßen meiner Heimatstadt „Wir sind das Volk“ – und nicht „Ich bin das Volk und der Maßstab aller Dinge“. Vielleicht kommt daher meine Schwäche für die kollektiven Freiheitsrechte. Ich bin dankbar, in einem Land zu leben, in dem die Freiheit des Einzelnen mit der Freiheit der Gemeinschaft ins Verhältnis gesetzt wird – und im Zweifel die Verantwortung füreinander die Hauptrolle übernimmt. Und ich bin dankbar für dieses scharf gestochene Tattoo im Herzen unserer jüdisch-christlichen Erzähltradition: Liebe deinen Gott von ganzem Herzen und liebe deine Nächsten so wie dich selbst. Liebt euch selbst nicht mehr als die anderen, liebe Demonstrant*innen – nicht weniger, aber auch nicht mehr.

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  • Papa, was ist mit den Erwachsenen?

    Neulich stand ich mit einem Freund zusammen und es ging mal wieder um Corona. Seine kleine Tochter, im September frisch in die Schule gekommen, kam hinzu und fragte: "Papa, was ist jetzt eigentlich mit den Erwachsenen? Jetzt haben wir Kinder so lange Rücksicht genommen, dass die nicht krank werden. Machen die das jetzt auch für uns?" Mir blieb die Spucke weg: Eine Siebenjährige stellt solche Fragen! Was um Himmels willen soll man da antworten? Nein, Margarethe, viele eben leider nicht, weil sie nur an sich denken? Ich will alles dafür tun, dass unsere Kinder in eine andere, umsichtigere Welt hineinwachsen. Und merke gerade schmerzlich, dass ich da sehr an meine Grenzen stoße. Was ist eigentlich los mit den Erwachsenen?

  • grundrechte


    ....vor ein paar tagen wurde in einem bericht gesagt, dass die grundrechte vielleicht für einige zeit eingeschränkt werden (was ich persönlich nicht daramatisch finde und dankbar bin in einem land zu leben, wo es grundrechte gibt), dass die grundrechte allerdings auch wiedrekommen werden, die toten dagegen kommen nicht wieder....darüber muss ich jetzt immer wieder nachdenken....danke für deinen post
    herzlichst
    annette

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