Offenes Haus, auf ewig

Von Zeit zu Zeit räume ich meine Schreibdose auf. Das fühlt sich immer gut an. Der schwere Messing-Spitzer. Die Hülse zum Halten von Bleistiftstummeln. Der gute Tintenroller, der Füller, mit dem ich nur selten schreibe, die Ersatzminen. Wenn ich all das durch meine Hände gleiten lasse und sich dieses zweifelhafte Manufaktumgefühl ausbreitet, finde ich mich in einem Schwarz-Weiß-Film wieder. Da sitz ich dann mit gradem Rücken, neben mir mein Großvater, den ich nicht mehr kennengelernt habe, eine Reihe weiter die Urgroßmutter mit rosigem Gesicht und schneeweißem Dutt. Durchs Fenster schauen meine Enkel herein, die ich eines Tages haben werde, sie jonglieren mit Äpfeln und recken ihre Lichtschwerter hoch. Ich fühle mich geborgen. Ist es das verbindende Band durch die Zeiten? Ist es eine Wertigkeit, die entsteht, wenn Dinge dauern? Wenn Zeit verbindet? Und der Moment sich anfühlt wie ein offenes Haus, offen auf ewig? Langsam dreht sich wieder Farbe ins Bild, ich sitze am Tisch und spitze einen grünen Bleistift an. Ich werde Briefe schreiben an früher. Ein paar Postkarten an die Zukunft. Ich bin bereit.

(Und ja, das ist Werbung – aber jetzt ist ein guter Moment, noch rasch den Adventskalender Stille Post* zu besorgen, den Susanne Niemeyer und ich geschrieben haben. 24 Postkarten inklusive. Macht Freude! Hier ist er leider vergriffen, aber irgendein Buchladen hat ihn bestimmt noch.)

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